Predigt vom 10. Januar 2021

Timo Plutschinski - Die Gemeinde-Vision

Thema: Die Gemeinde-Vision

Text: Suchet der Stadt Bestes (Jer.29,7)

 Die Situation Jeremias und des Volkes Israel war während der babylonischen Gefangenschaft alles andere als angenehm. Weit weg von zu Hause, in Gefangenschaft der Babylonier in einem für sie fremden und unangenehmen Umfeld. Und trotzdem gibt Gott dem Volk durch Jeremia eine Vision und Auftrag – für diese Zeit in Babylon, auch wenn die letztendliche Vision ein Leben in Jerusalem ist („Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe.“ Jer.29,10).

70 Jahre voller Einsatz für die Zwischenstation, und dann geht es zurück nach Jerusalem.

 Wenn wir über unsere Gemeindevision reden, dann ist auch das eine Vision für die Zeit hier auf Erden – in Schenefeld, in Hamburg, in Deutschland, auch wenn die finale Vision ein Leben im himmlischen Jerusalem ist. Gott hat sich reingehängt für seine Schöpfung. In gleicher Weise hängen wir uns rein für den Bereich der Schöpfung, den Gott uns anvertraut hat. Das ist unsere Verantwortung!


Für das irdische Leben gilt das, was die Verse 5 und 6 beschreiben: Häuser bauen, Gärten pflanzen, Familien gründen. Kurzum: Heimisch werden und sich mit der Stadt, dem Umfeld, in das Gott uns hineingestellt hat, identifizieren.

 Und dann folgt der Kern des Auftrags in Vers 7: Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohl geht, so geht’s auch euch wohl.“

 Dieser Vers hat für die Josua-Gemeinde Schenefeld eine besondere Bedeutung, da er ein Leitvers bei der Gründung war und stets die Ausrichtung aufgezeigt hat (zum Besten der Stadt, zum Wohle der Stadt).

 Die Zusage „Wenn´s ihr wohlgeht, dann geht´s auch euch wohl“ ist so herrlich eigennützig, aber auch so gut nachvollziehbar. Wir können unsere Stadt, unser Umfeld mit der Gegenwart Gottes erfüllen und Veränderungen erleben, die wir nie für möglich gehalten haben. Und mit Gottes Hilfe ein Umfeld erschaffen, in dem wir selbst aufblühen, in dem es uns selbst gut geht.

 In gleicher Weise betont der Vers auch die Bedeutung des Gebets. Ora et labora – bete und arbeite! Beides gehört zusammen. Wie Martin Luther es formuliert hat: „Man muss beten, als ob alles Arbeiten nichts nützt, und arbeiten, als ob alles Beten nichts nützt.“

Keiner kann sagen: Ich bete für euch … aber mache mir die Hände nicht schmutzig! Suchet der Stadt Bestes und betet für sie.

 

Suchet” heißt Aktivität, Hinausgehen, Interesse zeigen. Das kommt nicht von alleine. Wir sollen uns danach ausstrecken. Auf die Suche gehen. Es auch einfach mal ver-suchen.

Der Stadt” betont die Blickrichtung nach außen, missionarisch ausgerichtet zu sein. Gemeinde ist kein Selbstzweck. Nicht mir muss gedient werden, sondern ich diene gemeinsam mit anderen den Menschen meiner Stadt.

Und “Bestes” ist die Vielfalt der Liebe Gottes, die gute Nachricht, gelebtes Wohlwollen aus der Beziehung zu Jesus. Nur das Beste ist gut genug. Das Beste unserer Begabungen, das Beste unserer Zeit, das Beste unserer materiellen Schätze. In der Gemeinde sammelt sich leider öfters das, was noch über ist; an Zeit, an Energie, an Begabungen, an Gegenständen.

 Haben wir etwas zu geben? Aber natürlich. Nicht aus uns selbst heraus. Aber wir dürfen von dem bezeugen, der gesagt hat: Ich bin das Leben.

Und das reicht weit in den Alltag, in das persönliche Leben hinein. Glaube am Montag. Gemeinde nicht nur für Sonntags. Ein ganzheitlicher Anspruch, den jeder einzelne, aber auch wir als Gemeinde mit Leben füllen können.

 „Suchet der Stadt Bestes“ kann in einem Dreiklang Wirklichkeit werden:

Gottes Handeln erfahren, in Beziehung zu ihm leben, und seine Liebe weitergeben.

 Das Handeln Gottes ist schon wirksam, wenn wir es noch gar nicht sehen. Es manifestiert sich in der Beziehung zu ihm und lässt in der Konsequenz Taten der Liebe nach sich ziehen.

 Was für eine Vision!

1.     Wo hast du bereits Gottes Handeln außerhalb von Kirche und Gemeinde erlebt?

2.     Was hat sich durch Christen an deinem Ort zum Wohle der Stadt verändert?

3.     Wieso fördert es die geistliche Reife, wenn ich „der Stadt Bestes“ suche?